Lignum

Veröffentlicht: 10. März 2015 in Rezensionen

Ein Spiel für 2 – 4 Spieler

Cover

Mit Lignum steht zur Zeit ein echtes Vielspielerspiel in der Spieleschmiede zur Förderung bereit. In Lignum versuchen die Spieler durch optimales ziehen Ihres Forstarbeiters und Planen ihrer Arbeitsabläufe, möglichst viel Profit aus gefälltem und verwertetem Holz zu schlagen. DerVerlag Mücke-Spiele dürfte den meisten Kennern ein Begriff sein. Zum einen, weil sie schon einige interessante Spiele in Kleinauflagen verlegt haben, und zum anderen weil er auch hinter www.spielmaterial.de steht, ein Shop für Spielmaterial den wohl die meisten Spieleautoren und -entwickler schon mal genutzt haben. So hat es mich auch nicht überrascht, dass die Spielanleitung wohl strukturiert und mit vielen Bildern geschmückt auch schnell verstanden ist. Aber zuerst zum Spiel an sich!

Spielaufbau

Jeder Spieler erhält eines der schönen, großen Spielertableaus, auf denen im Laufe des Spiels die Hölzer, Rohstoffe, Materialien und Arbeiter gelagert werden. Zudem bekommt jeder Spieler einen eigenen Hofarbeiter, einen Forstarbeiter, eine Hiebsortkarte, 6 Forstgebietsplättchen und 4 Geld. Auf die 6 Fällgebiete des Spielplans werden je 2 oder 3 Brennholzscheiben gelegt. Alle Karten werden jeweils gemischt und bereit gelegt. Von den beiden Winterkarten wird jeweils zufällig eine Seite genutzt und so unter den Spielplan geschoben, dass die Werte einer Kartenhälfte sichtbar bleiben. Die Reihenfolge der ersten Runde wird ausgelost und dann kann es bereits losgehen!

Material Übersicht

Spielablauf

Lignum wird über 8 Runden gespielt. Dabei werden 2 Jahre nachgespielt, die wiederum in die 4 Jahreszeiten unterteilt sind. Frühling, Sommer und Herbst laufen immer gleich ab, der Winter beider Jahre hat andere Regeln. Die 4. und die 8. Runde sins somit besondere Runden und nach der 8. Runde endet auch das Spiel. Jede Runde besteht aus 6 Phasen, von denen im Endeffekt die Phasen 3-5 maßgeblich von den Spielern bestimmt werden.

1. Versorgungsweg bestücken

Hier werden die verschiedenen Arbeiter (Träger, Holfäller und Sägearbeiter), Futter und Anschaffungen auf dem Spielplan verteilt. Somit kann man entlang des Versorgungsweges, der um die Forstgebiete herumläuft all diese Gegenstände kaufen bzw. nehmen.

2. Auffüllen von Holz und Nahrung

Nun werden 3 Karten vom Stapel der Markierungskarten gezogen und die angegebenen Holzarten auf die angegebenen Fällgebiete verteilt. Auf diese Weise wird auch Nahrung verteilt.

3. Auswahl des Fällgebietes

In dieser Phase findet die erste Interaktion zwischen den Spielern statt. Jeder Spieler hat 6 Plättchen, von denen jedes für eines der 6 Fällgebiete steht. In Phase 3 wählt nun jeder Spieler verdeckt ein Plättchen aus und legt es vor sich ab. Wenn alle Spieler gewählt haben, werden die Plättchen aufgedeckt und die Spieler platzieren ihre Plättchen in dem von ihnen gewählten Fällgebiet. Ist ein Spieler nun allein in dem Gebiet, darf er sofort die gesamte dort vorhandene Nahrung auf sein Tableau legen. Haben mehrere Spieler das selbe Fällgebiet gewählt, müssen sie die Nahrung gerecht unter sich aufteilen. Übrige Nahrung bleibt auf dem Fällgebiet liegen. Auf diese Weise kann es durchaus vorkommen, dass Spieler leer ausgehen.

4. Der Versorgungsweg

Der Versorgungsweg läuft um die Fällgebiete herum. Beginnend mit dem Startspieler ziehen die Spieler nun nacheinander jeweils auf ein beliebiges Feld auf dem Versorgungsweg. Dabei sind im wesentlichen 4 Regeln zu beachten:

  1. Es darf niemals rückwärts gezogen werden. Was man also einmal hinter sich gelassen hat, kann man in dieser Runde nicht mehr erreichen
  2. Man muss ziehen
  3. Bis auf ein paar Ausnahmen darf immer nur ein Forstarbeiter auf einem Feld stehen
  4. Man darf nur auf ein Feld ziehen, wenn man die entsprechende Aktion ausführt

Entlang des Weges können die Spieler Arbeiter und Anschaffungen einsammeln. Während die Anschaffungen kostenlos sind, müssen die Arbeiter und das Futter bezahlt werden. Außerdem gibt es einen Markt, auf dem Gegenstände kaufen oder verkaufen kann. Für alle Anschaffungen gibt es auf dem Spielertableau ein passendes Feld.

5. Forstarbeit

In dieser Phase werden nun die gesammelten Ressourcen verwertet. Dazu werden 6 (in der Expertenvariante 7) Aktionen durchgeführt. Die Aktionen werden immer in der Reihenfolge durchgeführt, in der die Spieler den Versorgungsweg abgeschlossen haben. Bei den Aktionen, die Arbeiter benötigen, kann einmal pro Runde der eigene Hofarbeiter eingesetzt werden. Diesen bekommt man am Ende der Runde zurück.

  1. Fällen: Die Spieler können für jeden Holzfäller, den sie einsetzen, 1 Holzscheibe aus dem Fällgebiet, dass sie zuvor gewählt haben, auf ihre Hiebsort-Karte legen. Wenn mehrere Spieler auf das selbe Gebiet gesetzt haben, wir die aktuelle Zugereihenfolge zu Grunde gelegt.
  2. Flößen (entnahme): Hat ein Spieler in der Runde zuvor die Transportart „Flößen“ gewählt, kann er das Holz nun vom Floß in den Vorrat oder zum Verkauf bereitlegen.
  3. Transport: Hier können die Spieler für Träger oder Schlitten Holz vom Hiebsort zum Hof bringen. Dabei ist wichtig, wo sie das Holz anschließend platzieren. Denn einmal platziertes Holz darf nicht mehr umgelegt werden! Legt man Holz zum Sägeholz-Vorrat, muss es zwangsläufig zersägt werden, bevor es weiter benutzt werden kann. Legt man Holz zum Verkauf, muss es verkauft werden und darf nicht weiter behandelt werden. Hier kommt auch das Futter ins Spiel, denn das wird benötigt, um Holz mittels eines Fuhrwerks zu transportieren.
  4. Sägen: Nun können die Spieler für Sägearbeiter, die sie einsetzen, Holz zersägen, dass zuvor dafür bereit gelegt wurde. Zersägtes Holz bringt immer mehr Ertrag als unzersägtes Holz. Allerdings muss auch mehr AUfwand betrieben werden, um es zu zersägen.
  5. Aufträge (Expertenspiel): Die Spieler können Holz auf ihre Auftragskarten legen, um am Spielende dafür Geld zu erhalten.
  6. Verkauf: In dieser Phase können die Spieler das Holz, dass zum Verkauf bereit liegt, verkaufen. Die Hölzer haben unterschiedliche Werte und man kann zusätzliche Boni bekommen, wenn man das Holz vorher getrocknet hat.
  7. Abschließend können die Spieler Holz trocknen. Dazu legen sie es auf eines der Trocknungsfelder oder schieben es ein Feld weiter nach rechts. Je weiter rechts ein Holz liegt, desto höher ist der Bonus, den man dafür erhält.

6. Neue Spielreihenfolge

Die Neue Spielreihenfolge ist die umgekehrte Spielreihenfolge der aktuellen Runde.

Bevor nun die nächste Spielrunde beginnt, werden alle Felder wieder aufgefüllt. Außerdem können die Spieler für die 3 Handwerksplättchen Pflock, Brett und Schindel eine Hütte bauen. Das bedeutet, dass sie die 3 Plättchen auf ihr Hüttenfeld legen und dadurch verschiedene Boni wie z.B. als zusätzliche Arbieter verwenden können.

Winter

In Runde 4 und Runde 8 ist Winter. Im Winter hat jeder Spieler nur den Hofarbeiter zur Verfügung (plus eventuelle Hüttenboni), da der Versorgungsweg zugefroren ist. Man kann auch beim Transport nur per Schlitten transportieren. Am Ende des Winters müssen die Spieler die auf den Winterkarten geforderte Menge an Nahrung und Brennholz abgeben. Es darf jedes Holz verwendet werden, allerdings ist es nicht besonders ratsam, teures Bauholz zu verheizen! Überschüssige Nahrung ist am Ende des Winters zurückzulegen, hier empfiehlt es sich also, genau zu planen. Kann man die erforderlichen Ressourcen nicht zahlen, muss man diese mit Geld bezahlen und dafür ggf. Schuldscheinde aufnehmen, die am Ende teuer zurückgezahlt werden müssen.

Spielende

Nach dem 2. Winter können alle Spieler noch ihr gesamtes Holz, das zum Verkauf bereit liegt oder getrocknet wurde, verkaufen und müssen ihre Schuldscheine auslösen. Der Spieler mit dem meisten Geld gewinnt.

Karten

Fazit

Lignum ist ein Optimierungsspiel allererster Güte. Der Umfang der Regel schreckt anfangs ab, allerdings ist die Anleitung sehr gut strukturiert und mit vielen Beispielen gut zu verstehen. Das Spielmaterial ist allererste Sahne und ich hatte nur einen Prototypen zur Verfügung. Wenn das ganze mit richtigen, dicken Tableaus und tollen Karten daherkommt, ist die Ausstattung auf jeden Fall super. Durch die verschiedenen Mechanismen wie den Versorgungsweg, der an Egizia oder Francis Drake erinnnert, das verdeckte auswählen des Fällgebietes, die Aufwertung des Holzes durch Zersägen und Trocknen etc. haben die Spieler auf jeden Fall eine Menge Entscheidungen zu treffen und unsere Köpfe haben zwischendurch ordentlich geraucht, wenn es wieder darum ging, welches Holz denn nun direkt verkauft werden soll und welches Holz noch ordentlich zersägt und getrocknet wird. Denn wenn man einmal knapp bei Kasse ist, wird es schwer, weitere Arbeiter anzuheuern. Auch das Thema wirkt in diesem Spiel nicht aufgesetzt sondern passt perfekt und wird von Grafik uns Spielmaterial super getragen.

Der einzige Kritikpunkt, der bleibt ist die Tatsache, dass vor jeder Runde relativ viel aufgebaut werden muss. Alle Arbeiter, Anschaffungen etc. werden wieder auf dem Versorgungsweg platziert. Mir persönlich macht das gar nichts aus, es gibt aber viele gute Spiele, wie Hawaii oder Bora Bora, bei denen genau das immer wieder kritisiert wurde. Von daher sollte dies hier nicht unerwähnt bleiben.

Lignum ist also ein echter Leckerbissen für Vielspieler. Es gibt auch noch weitere Varianten, die das ganze noch komplexer gestalten, wir waren aber nach den ersten Partien bedient genug und haben diese nicht mehr getestet. Ich bin mir aber sicher, dass diese Varianten den ohnehin schon hohen Wiederspielwert noch erhöhen.

Wer möchte kann Lignum noch bis zum 27. März 2015 in der Spieleschmiede unterstützen: https://www.spiele-offensive.de/cf.php?projekt=40

P.S.: In den Kommentaren zum Schmiedeprojekt wurde die Form des Forstarbeiter-Meeples kritisiert. Dieser sieht in der Tat etwas gewöhnungsbedürftig aus. Dazu sagte Harald Mücke: „Diese Figuren waren Grundbestandteil des zweiten Wettbewerbes bei www.spielmaterial.de: Die Teilnehmer mussten mit den Holzfiguren dieses Candamir-Sets neue Spiele erfinden (durften aber dazu nehmen, was sie wollten), d.h. in den verschiedenen hierzu veröffentlichten Spielen der Edition-Läufer sind diese Figuren jeweils enthalten – das sind bisher Dahschur, Exposaurus, Urknall, Taschkent. Das Spiel stammt ja aus diesem Wettbewerb und daher ist der Läufer hier „Waldläufer„…“ 

Wenn man sieht, was für ein tolles Spiel Lignum geworden ist, kann man nur hoffen, dass es noch viele weitere Wettbewerbe dieser Art geben wird!

P.P.S.: Da meine Kamera beim Spielen den Geist aufgegeben hat, gibt es hier nur erste Eindrücke und Bilder des Verlags. Ich werde aber die Tage noch Bilder vom Material schießen und hinzufügen!

Promo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s